Sosa - hinter den Bergen, aber nicht hinter dem Mond
Hinter den Bergen des Erzgebirges liegt das Dorf Sosa mit seinen gut 2000 Einwohnern und präsentiert sich so, wie es die Touristenbroschüren versprechen: Die Landschaft ist ein Traum. Die meist freundlichen Menschen sind „ihrem“ Ort verbunden. Die Kirche ist nicht nur räumlicher Mittelpunkt – viele Menschen aus Sosa leben eine tiefe Frömmigkeit. Die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde in der Hauptstraße hat eine über hundertjährige Geschichte und einen festen Platz im Dorfleben. Das hat wohl damit zu tun, dass sich die Baptisten aus den Geschichten des Dorfes nicht herausgehalten haben, sondern den geschwisterlichen Kontakt zu Kirche und Landeskirchlicher Gemeinschaft auch von sich aus gesucht haben.
Die Gemeinde schöpft aus dem großen Schatz ihrer Tradition: Musik wurde bei den Baptisten immer gerne und viel gemacht. Männerchor, Gemischter Chor und Posaunenchor bereichern die Gottesdienste und das Gemeindeleben. Einer ist für den anderen da. Die älteren Geschwister werden von jeher besucht und zum Teil auch versorgt. So entsteht eine Nähe, die ins Dorf „passt“ und viel Positives hat. Dass der eine oder andere sie als Enge empfindet und sich schwer damit tut, wollen wir nicht übersehen. Überhaupt wollen wir uns auf dem, was wir übernommen haben, nicht ausruhen. So fragen wir danach, wie wir Verantwortung in jüngere Hände übergeben können. Oder wir bemühen uns darum, dass niemand im Netz der Gemeinschaft vergessen wird.
Gemeindeaufbau ist in Sosa „Umbau“, der Gewachsenes würdigt und Neues fördert. Seit November 2009 ist Michael Naar als neuer Gemeindepastor gemeinsam mit den Geschwistern der Gemeinde auf dieser „Baustelle“ tätig. Nach über einem Jahr der Vakanz konnte die Gemeinde ihn und seine Frau Bettina als neue „Pastorenleut“ begrüßen. Für die beiden Flachländler, die vom Rheinland nach Sachsen gekommen sind, ist das Erzgebirge ein Abenteuer. Weil auch in einem Dorf wie Sosa nicht alles so „in Harmonie schwingt“, wie es Hochglanzbroschüren verkünden oder allseits gewünscht ist. Es sind die Fragen der Menschen im Ort, die auch im Gemeindeleben auftauchen. Sie kreisen um Themen wie: Überalterung, Arbeitsplatzsituation und die Auseinandersetzung mit neuen charismatischen Frömmigkeitsstilen. Dazu kommen „typisch baptistische“ Aufgabenfelder, wie das Fragen nach einer Taufanerkennung und das eigene freikirchliche Profil, die Sorge um die Kinder- und Jugendarbeit und das Miteinander der Generationen.
Sosa liegt zwar hinter den Bergen des Erzgebirges, aber nicht hinter dem Mond. Gott hat uns als Gemeinde mit einer großen Nähe zu den Menschen um uns her beschenkt. Das ist ein hohes Gut. Es verpflichtet uns dazu, das „Beste für den Ort“ zu suchen. Gott hat die Gemeinde hier am Ort über viele Jahre begleitet. Wir glauben und hoffen, dass er das auch mit uns weiter tut. Wir wollen auf seine Hinweise achten und sie leben lernen. Um ihm die Ehre zu geben. Und um den Menschen, die mit und neben uns leben, sein Evangelium in Wort und Tat zu verkündigen.